Neubau Bürogebäude ott_architekten

Projektdaten

Bürogebäude ott_architektenKategorie                        Innovativer Entwurf
Titel                                  Neubau Bürogebäude ott_architekten
Standort                          Laichingen
Planverfasser                 ott_architekten Partnerschaft mbB
Nutzung                          Architekturbüro mit 14 Arbeitsplätzen
Bruttogrundfläche        EG 148,6 m², OG 166,8 m², UG 138,1 m²
Wohnfläche                    Nutzfläche 257,6 m², ohne Verkehrs- und Funktionsfläche
Gebäudehülle                895,19 m² Summe aller Hüllflächen

 

Beschreibung des Bauvorhabens
Raumnot und der Wunsch, zeitgemäße Arbeitsplätze zu schaffen waren Motor für unser eigenes Projekt. Durch Nachverdichtung auf dem eigenen Gartengrundstück und früherem „Zimmerplatz“ des Urgroßvaters entstand so der Neubau. Aus dem engen Zuschnitt des zentrumsnahen Grundstücks sowie einer Abstandsflächen-Baulast entlang der gesamten Westgrenze ergibt sich ein schlanker, linear organisierter Baukörper. Sein geradliniges, scharfkantiges Äußeres mit schwarzer Holzfassade hebt sich deutlich von der inhomogenen Umgebung ab. Skulpturale, weiß akzentuierte Ausschnitte gliedern das Volumen, verleihen Dynamik und kennzeichnen den Eingang an der Südseite. Das Bürogebäude ist als Effizienzhaus 55 geplant. In der Jahresbilanz erweist sich das Gebäude durch die Photovoltaikanlage (Peakleistung 9,72 kW) mit Batteriespeicher und Wärmepumpe als Plus-Energiehaus und seit Mai 2018 wird der eigene Strom auch für ein Elektro-Auto verwendet.

Nachhaltigkeit im Bauwesen
Das große Ganze ist die Summe der Beiträge jedes Einzelnen. Um Nachhaltigkeit wahr werden zu lassen, sollte jeder seine Lebensweise anpassen. Denn durch unsere heutigen Entscheidungen legen wir den Grundstein für eine lebenswerte Welt von morgen. Bewusst haben wir uns für die Nachverdichtung auf dem großen Gartengrundstück des ehemaligen Büros entschieden, auch wenn einige Zwänge die Realisierung erschwerten. Genauso wichtig war uns ein Konzept für nachhaltiges Energiemanagement. Für ein Nicht-Wohngebäude bot es uns aus unserer Sicht auch an, auf den einen Energieträger Strom zu setzen. Seit Anfang 2017 stellen wir nun einen nicht unerheblichen Teil unserer elektrischen Energie selbst her! Photovoltaikanlage auf dem Dach und Batteriespeicher machen unser Gebäude zu einem Plusenergiehaus. Wärmepumpe (als Heizung), Belüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Erdreichwärmetauscher, Server und EDV, LED-Beleuchtung und alle sonstigen Verbraucher haben im Jahresrückblick unseres ersten kompletten Betriebsjahres weniger verbraucht als auf dem Dach produziert wurde. Konsequent schien es uns dann im Mai diesen Jahres, als neues Büro-Fahrzeug ein E-Auto anzuschaffen und mit eigenem Strom zu betanken. Die Energiewende im Kleinen!

Praxistauglichkeit (baukonstruktiv, funktional)
Das Gebäude ist ein 3-geschossiger Massivbau mit Stahlbetonwänden und -decken in Sichtbeton. Der Innenraum wird bestimmt von Transparenz und Offenheit. Sichtbeton, schwarzer Linoleumboden, heimisches Fichtenholz an Fenstern und Fassade und weiße Möbel ergeben einen harmonischen Mix natürlicher Materialien. Den farblichen Akzent setzt die magentafarbene „Box“, die sich durch alle Geschosse zieht und sämtliche funktionalen Räume und Gebäudetechnik verbirgt. Die offene Struktur der Büroräume wird durch nischenartige Ausbildung der Arbeitsplätze gegliedert und ein persönlicher Arbeitsbereich definiert. In EG und OG entstanden je 6 ständige Arbeitsplätze und zwei Besprechungsräume, ein Aufenthaltsraum mit Küche und Terrasse, Sanitärräume und Nebenräume für die Bürotechnik. Im Untergeschoss ist ein offener Bereich mit zwei temporären Arbeitsplätzen, Materialsammlung und Modellbau, sowie Abstellräume, Archiv, Serverraum und Haustechnik untergebracht.

Innovation (gestalterisch, anlagentechnisch)
Mit unserem eigenen Bürogebäude war es natürlich auch unser Anspruch, ein zeitgemäßes, ressourcenschonendes Gebäude zu realisieren. Bewusst wurden die erforderlichen Flächen auf drei Etagen aber mit kleinem Fußabdruck realisiert. Das Volumen des Gebäudes ist sehr kompakt und nur einzelne Ausschnitte gliedern den Baukörper. Der Rohbau wurde aus Ortbeton in Sichtbetonqualität erstellt. Dieser kann vollständig recycelt werden und die Oberfläche ist gebrauchsfertig. Die Fassadenverkleidung besteht im Wesentlichen aus Weißtanne-Lamellen, deren Ursprung im Allgäu und im Vorarlberg liegen. Ein tintenartiges Tauchbad mit Rußpigmenten zur Färbung machen sie langfristig wetterbeständig ohne den Charakter der Holzoberfläche zu überdecken. Die Massivbauweise mit außenliegender Dämmung und hinterlüfteter Fassade wurde gewählt, damit die so gewonnene Speichermasse ausgleichend auf das Raumklima wirkt. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe erzeugt Warmwasser für die Fußbodentemperierung im Winter. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für die Reduzierung der Lüftungswärmeverluste. Ein vorgeschalteter Erdreichwärmetauscher sorgt für vortemperierte Frischluft, sowohl im Sommer wie im Winter. Für die Grundbeleuchtung im Gebäude werden ausschließlich LED-Leuchten eingesetzt. Arbeitsplatzleuchten mit Helligkeits- und Bewegungssensor schalten sich nur dann zu, wenn überhaupt benötigt. Der Endenergiebedarf des Gebäudes liegt bei ca. 11430 kWh pro Jahr. Ein außenliegender Sonnenschutz sorgt für die Minimierung des Wärmeeintrags im Sommer sowie eine blendfreie Arbeitsumgebung der Bildschirmarbeitsplätze. Die Nachtluftspülung des gesamten Gebäudes ermöglicht im Sommer eine angenehme Raumtemperatur ohne Klimatisierung. Im Winter werden solare Gewinne durch Sonneneinstrahlung genutzt. Die Photovoltaik-Anlage mit 36 Modulen und ca.60 m² Fläche ist in Ost-West-Richtung mit 10° Gefälle auf dem Flachdach aufgesetzt. Sie hat eine Leistung von 9,72 kWp. Durch den Einsatz des Batterie-Speichers (4,4 kWh Leistung) wird die am Tage produzierte Energie in der Nacht für Server und Lüftung verwendet. In den Sommermonaten wird sogar zusätzlich noch eingespeist. Der Ertrag der Anlage lag im ersten Betriebsjahr bei ca. 12000 kWh. Der tatsächliche Stromverbrauch betrug dabei ca. 11000 kWh, ähnlich der Berechnung im Energieausweis. Davon sind ca. 6000 kWh Eigenstromverbrauch, ca. 5000 kWh mussten im Winterhalbjahr zugekauft werden. Etwa 6000 kWh wurden insgesamt ins Netz eingespeist. Seit Mai 2018 wird zusätzlich noch das Büro-Elektrofahrzeug betankt.

 

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Zahlen und Daten
Heiztechnik Strom-Mix
Endenergiebedarf (des Gebäudes nach EnEV Nachweis) 11.430 kWh
Anzahl Gebäudebewohner ca. 12 Mitarbeiter
Größe der installierten PV-Anlage 9,72 kWp
Ertrag PV-Anlage ca. 12.000 kWh pro Jahr (davon 6.000 kWh Eigenstromverbrauch)
Größe des installierten Energiespeichers 4,4 kWh

 

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